„I felt like the world was mine. Then the war came. I feel like I could be somewhere else today if it wasn’t for what happened.“
Blick von der Brücke auf die bosnische Stadt Brod am Grenzübergang. Sie wurde im zweiten Weltkrieg und erneut im Jugoslawien Krieg zerstört.

Als am 4. Mai 1980 landesweit die Fernseher schwarz schalten, und der Moderator eine halbe Minute später verkündet „Genosse Tito ist gestorben“, ahnen wenige den Anfang vom Ende der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien und das Ausmaß der sie ablösenden Nationalismen.
Aus dem antifaschistischen Widerstand gegen die deutsche Besatzung hervorgegangen, entwickelte sich in Jugoslawien die Idee eines eigenen, blockfreien Sozialismus, basierend auf Selbstverwaltung, Pluralität und Einheit. Der Versuch, aus unterschiedlichen Sprachen, Religionen und Erinnerungen eine gemeinsame Zukunft zu formen, gerät mit Titos Tod endgültig aus dem Gleichgewicht. In den darauffolgenden 10 Jahren gewinnen nationalistische Strömungen an Kraft und alte Spannungen brechen auf, der föderale Vielvölkerstaat zerfällt. Aus Nachbarn werden Feinde, aus Republiken unabhängige Staaten – jede mit ihrem eigenen Narrativ von Zugehörigkeit und Verlust. Das sozialistische Versprechen universeller Gleichheit weicht der Logik ethnischer Abgrenzung, welche in Kriegsverbrechen und Völkermord mündet.
Keine 35 Jahre später blicken jene, die sich erinnern möchten, auf ein entzweites Leben. Die Gesprächigen erzählen von warmen Erinnerungen an Jugoslawien als eine Zeit der Gemeinschaft, des Fortschritts und relativen Wohlstands. Die Schweigsamkeit manch anderer rührt von der Sehnsucht nach einer verlorenen Zukunft. Ihnen gegenüber steht ein neuer, begriffsloser Patriotismus.  Die neuen Nationalismen versuchen, die Teile jugoslawischer Geschichte, die dem eigenen nationalen Mythos dienen, zu integrieren. Die Frage über den Umgang mit dem kollektiven Trauma der vergangenen Jahrzehnte bleibt unbeantwortet.
Die äußere Welt hat sich gewandelt — Städte tragen neue Namen, Denkmäler neue Bedeutungen. In einer Zeit, die sich vorwiegend auf Vergangenes bezieht und gleichzeitig versucht, die Vergangenheit auszulöschen, scheinen leise die Präsenz nie realisierter Zukunftsentwürfe und das Fehlen neuer Ideen auf.
Elegies of an Idea ist ein visueller Essay über den Umgang mit Erinnerung im ehemaligen Jugoslawien. Anhand von Erzählungen und Orten in den entstandenen Nationalstaaten interpretiert die Arbeit Beziehungen zur Geschichte mit Blick auf die Frage, inwiefern Vergangenes in der Gegenwart weiterlebt und diese konstituiert.

Ein Wahlplakat der HDZ, eine konservative Partei, die sich auf die kroatische nationale Identität stützt. 1989 von Franjo Tuđman gegründet war sie die führende Partei während des Kroatischen Unabhängigkeitskrieges. 

Die ehemalige Kneipe ,,Trenk'' in Podvinje. Seitdem 1998 ein kroatischer Kriegveteran 7 Gäste erschossen hat, ist sie geschlossen. Der Täter soll im Jugoslawienkrieg seine Familie verloren und mehrmals von Selbstmord und der Sinnlosigkeit des eigenen Lebens gesprochen haben

Bei den Feierlichkeiten anlässlich Titos Geburtstags sitzen ehemalige Politiker Jugoslawiens und Partisanen in der ersten Reihe. Viele von ihnen haben nach Titos Tod die Teilung vorangetrieben und politische Karrieren in den entstehenden Nationalstaaten gemacht.

Gästebuch im Haus der Blumen, mit der Inschrift ,,Mr. Tito was our leader, and our shining example'' und ,,We love Mr. Tito''

 Vuk Dapcevic, Sohn des jugoslawischen Offizier Peko Dapcevic, der 1945 die Befreiung Belgrads von den Nationalsozialisten angeführt hat. Ich treffe ihn im Haus seiner Eltern, dass er noch immer bewohnt. Er erzählt von Partei-internen Machtkämpfen in der KPJ, seinem Vater und einer Kindheit Vorgarten an Vorgarten mit Tito. Im Haus ist es kalt, er entschuldigt sich dafür, dass es nicht beheizt ist. Auf die Frage, was er über die aktuelle politischen Situation in Serbien denkt sagt er: ,,I think that I live in fascism. It's psycho fascism. It's not country, it's private country. There is no law, It's not a system, you must be with the rulers so you can exist.’’

Back to Top